Eisenbahnstrecke Wittenberge - Pritzwalk - Wittstock(Dosse)
Bahnstrecke
Wittenberge–Strasburg
Die Bahnstrecke
Wittenberge–Strasburg (Uckermark) ist eine rund 156 Kilometer lange,
eingleisige, nicht elektrifizierte und teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke in den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Der länderübergreifende Verkehr
wurde im Jahr 2000 eingestellt. Heute werden nur noch zwei Teilstücke der
Strecke betrieben. Während der brandenburgische Abschnitt zwischen Wittenberge und Wittstock (Dosse) bis 2008 für das Projekt „Prignitz-Express“ zur Hauptbahn ausgebaut wurde, ist der
mecklenburgische Abschnitt zwischen Mirow und Neustrelitz weiterhin eine Nebenbahn.
Die
Geschichte der Strecke ging zunächst von zwei Städten aus, Neustrelitz im
Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz und Perleberg in der preußischen Provinz
Brandenburg.
Ab den
1880er Jahren begannen zahlreiche Kleinstädte in Umgebung der großen
Hauptbahnen damit, Stichbahnen voranzutreiben, um einen Anschluss an das
Eisenbahnnetz zu erhalten. Perleberg als Kreisstadt des Landkreises
Westprignitz war
ebenfalls um eine Anschlussbahn zum Knoten Wittenberge bemüht. Als Betreibergesellschaft
wurde die Wittenberge-Perleberger Eisenbahn (WPE) gegründet, die sich im Besitz
der Kreisstadt befand. Nach Erteilung der Konzession zum Bahnbau am
17. Juni 1881 konnte nach nicht einmal vier Monaten Bauzeit die Eröffnung
der rund zehn Kilometer langen, eingleisigen Nebenbahn am 15. Oktober 1881
erfolgen.
Drei Jahre
später unternahm die WPE Versuche, ihre Strecke in Richtung Pritzwalk und
Wittstock zu verlängern. Da diese als Eigentum der Stadt jedoch nicht über das
notwendige Kapital verfügte, wurde am 5. Juni 1884 die Prignitzer Eisenbahngesellschaft (PEG) gegründet. Neben der Stadt Perleberg
beteiligten sich der preußische Staat, die Provinz Brandenburg, die Landkreise
West- und Ostprignitz sowie die Städte Pritzwalk,
Wittstock und Wittenberge an dem als Aktiengesellschaft gegründeten Unternehmen. Da der
Betrieb von vornherein gemeinschaftlich erfolgen sollte, wurde ebenfalls
Perleberg als Firmensitz festgelegt. Nach Erteilung der Konzession zum Bau der
Strecke Perleberg–Pritzwalk–Wittstock am 23. Juli 1884 begannen am
15. September desselben Jahres die Bauarbeiten für die knapp
40 Kilometer lange Bahn. Nach einer Bauzeit von etwa einem halben Jahr
wurde der Güterverkehr am 10. März, der Personenverkehr am 31. Mai
1885 aufgenommen. Sechs Jahre später endete zunächst der Gemeinschaftsbetrieb
der beiden Unternehmen.
Von
Neustrelitzer Seite aus gab es ab 1873 Bestrebungen, eine Strecke in Richtung
Wittenberge zu errichten, konkrete Maßnahmen zu einer Umsetzung erfolgten
jedoch erst rund 15 Jahre später. In der Zwischenzeit wurde das
Großherzogtum, das bereits ab 1864 über die Bahnstrecke Bützow–Strasburg der Mecklenburgischen
Friedrich-Franz-Eisenbahn in Neubrandenburg einen Bahnhof erhielt, an die von
den Preußischen Staatsbahnen betriebene Berliner Nordbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund angeschlossen. Eine eigene Bahn
existierte damit allerdings noch nicht.
Die 1887
gegründete Neustrelitz-Wesenberg-Mirower Eisenbahngesellschaft mit Sitz
in Wesenberg erhielt am 17. Januar 1888 die
Konzession zum Bau einer Strecke von Mirow nach Neustrelitz mit Anschluss an die Berliner
Nordbahn. Der Betrieb auf der rund 22 Kilometer langen Verbindung konnte
am 15. Juli 1890 aufgenommen werden.
Im gleichen
Jahr erfolgte in Woldegk die Gründung der Blankensee-Woldegk-Strasburger
Eisenbahngesellschaft, die das Ziel verfolgte, eine Bahn von Blankensee,
das ebenfalls an der Berliner Nordbahn lag, über Woldegk zum preußischen
Grenzbahnhof in Strasburg zu errichten. Die Konzession zum Bau
der rund 37 Kilometer langen Verbindung wurde der Gesellschaft am
12. April 1892 erteilt, die Eröffnung fand rund anderthalb Jahre später am
8. Oktober 1893 statt. In Blankensee errichtete die Gesellschaft einen
eigenen Bahnhof östlich des bestehenden Staatsbahnhofs, beide Anlagen waren
über Betriebsgleise miteinander verbunden.
Am
1. April 1894 schlossen sich die beiden Unternehmen zur Mecklenburgischen
Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft (MFWE) zusammen. Ziel war es, im Westen einen
Anschluss an die Provinz Brandenburg herzustellen. Für den Anschluss nach
Brandenburg wurden mit der Prignitzer Eisenbahn Verhandlungen geführt, da diese
den brandenburgischen Teilabschnitt betreiben sollte. Als Übergangspunkt wurde
der Ort Buschhof gewählt. Die Betriebsaufnahme
erfolgte auf beiden Teilstücken gleichzeitig am 21. Mai 1895.
Die Strecke
Wittenberge–Neustrelitz wurde, obwohl drei Bahngesellschaften zuständig waren,
durchgehend betrieben. 1905 verkehrten drei Zugpaare auf der Gesamtstrecke,
ergänzt durch einzelne Züge zwischen den Endpunkten und Wittstock
beziehungsweise Mirow. Zwischen Wittenberge und Perleberg fuhren insgesamt neun
Zugpaare am Tag. Zwei Zugpaare von Blankensee verkehrten nach Strasburg, ein
weiteres bis Woldegk.
Da sich mit
dem Anschluss nach Brandenburg ein ersichtlicher wirtschaftlicher Erfolg für
die Städte entlang der Bahn zeigte, beschloss die MFWE am 17. Dezember
1906, ihre beiden Teilstrecken miteinander zu verbinden, um den knapp
15 Kilometer langen Abschnitt der preußischen Staatsbahnstrecke nicht
mitnutzen zu müssen. Die Umgehungsstrecke verlief etwa ein bis zwei Kilometer
südlich der Staatsbahnstrecke und bot in Neustrelitz und Blankensee
Umsteigemöglichkeiten zu dieser. Die Eröffnung des 14 Kilometer langen
Abschnitts war am 28. Februar 1909. Die Arbeiten zogen sich im Vergleich
zu den vorherigen Abschnitten etwas länger hin, da vor allem im Raum
Neustrelitz umfangreiche Arbeiten anstanden, um die Bahn vollkommen unabhängig
von der Preußischen Staatsbahn zu führen. Die zuvor genutzten Anlagen im
Bahnhofsbereich überließ die MFWE den Preußischen Staatsbahnen, deren
Neustrelitzer Bahnmeisterei sie weiternutzte.
1910 und
1922 wurde die Strecke um zwei Anschlussbahnen nach Feldberg
beziehungsweise nach Ellerholz
erweitert. Letztere wurde auf Betreiben des Militärs angelegt, da sich in Rechlin, nördlich von Ellerholz eine Erprobungsstelle der Luftwaffe befand und ein Anschluss an die Eisenbahn benötigt wurde.
1932 wurde
auf brandenburgischer Seite der gemeinschaftliche Betrieb zwischen der WPE und
der PEG zusammen mit den Prignitzer Kreiskleinbahnen wieder aufgenommen.
Reparationsleistung
und Reichsbahnzeit
Zum
1. Januar 1941 erfolgte die Verstaatlichung der drei Betreiber
Wittenberge-Perleberger Eisenbahn, Prignitzer Eisenbahn und der
Mecklenburgischen Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn sowie deren Strecken unter dem
Dach der Deutschen Reichsbahn. Die Verstaatlichung war mehr aus militärischen als aus
wirtschaftlichen Gründen erfolgt, da die Strecken eine strategisch wichtige Linie
Wittenberge–Neustrelitz–Strasburg(–Stettin) bildeten. Im Personenverkehr
erfolgte nun ein durchgehender Betrieb unter der Kursbuchnummer 120, die
die Bahn auf gesamter Länge zwischen Wittenberge und Strasburg beinhaltete.
Ehemaliges
Empfangsgebäude in Quadenschönfeld im abgebauten Abschnitt
Zum Ende des
Zweiten
Weltkrieges kam der
Verkehr zum Erliegen. Die nach Kriegsende Herrschaft ausübende SMAD verfügte den Abbau mehrerer Strecken
zu Reparationszwecken, zu denen auch der 40 Kilometer
lange Abschnitt Thurow–Strasburg gehörte. Das Vorhaben wurde
vermutlich 1947 umgesetzt, so dass in den zwei Jahren zuvor noch ein spärlicher
Verkehr stattfand. Der Abschnitt Neustrelitz Süd–Thurow blieb für die Züge nach
Feldberg in Betrieb, die nun bis Neustrelitz durchgebunden wurden.
In der DDR
nahm die Bedeutung der Strecke für den Güterverkehr zur Entlastung der
Hauptbahnen und aus militärischen Erwägungen zu. Eine neue Verbindungskurve
entstand südlich von Neustrelitz, so dass der dortige Bahnhof für Fahrten in
Richtung Berlin nicht mehr angefahren werden musste. Diverse Bahnhöfe wurden
ausgebaut, damit Kreuzungen langer Güterzüge möglich waren.
Im
Personenverkehr entwickelten sich die Abschnitte Wittenberge–Pritzwalk und
Pritzwalk–Neustrelitz separat. Die meisten Züge aus Wittenberge endeten in
Pritzwalk oder fuhren in Richtung Güstrow weiter, Verstärkerzüge fuhren
zwischen Wittenberge und Perleberg. Umgekehrt pendelten Züge meist zwischen
Pritzwalk und Neustrelitz. In den letzten Jahren unter Reichsbahn-Regie gab es
zeitweilig nur noch einen einzigen durchgehenden Zug Neustrelitz–Wittenberge,
der nicht weniger als 2 Stunden und 43 Minuten unterwegs war. In den 1960er und
1970er Jahren wurde der Abschnitt Wittenberge–Pritzwalk zeitweise im Sommer von
einem Schnellzug nach Rostock befahren.
Ausbau
und Niedergang nach der Wende
Wie auf
vielen Strecken im Osten Deutschlands entwickelten sich die Verkehrsströme nach
1990 deutlich anders. Als Reaktion gab es einige Versuche zur
Attraktivitätssteigerung der Strecke. So wurden 1993 zwei Züge auf der
verbliebenen Strecke in Eilzüge mit entsprechend weniger Halten umgewandelt.
1995 wurden die Stationen Rosenhagen, Rohlsdorf-Gottschow, Beveringen,
Groß Haßlow und Kuhlmühle dauerhaft geschlossen.
Wittenberge
– Wittstock (– Berlin) als „Prignitz-Express“
Seitens der
brandenburgischen Landesregierung wurde der Abschnitt Wittenberge–Wittstock in
das Projekt Prignitz-Express (PEX) einbezogen und der Ausbau bis zum
Jahr 2001 vorgesehen. Das Vorhaben verzögerte sich jedoch. Von 2006 bis 2008
wurde der Abschnitt Wittenberge–Wittstock etappenweise zu einer Hauptbahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von
120 km/h ausgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten am 27. Februar 2008,
die den dritten Bauabschnitt darstellten, konnte die Reisezeit von 65 auf
52 Minuten verkürzt werden. Heute verkehrt dort die Regionalexpress-Linie
RE6 (Prignitz-Express) zwischen Wittenberge, Wittstock, Neuruppin, Hennigsdorf und Berlin-Spandau im Stundentakt.
Regelmäßiger
Güterverkehr besteht heute noch auf den Streckenabschnitten
Pritzwalk–Liebenthal, gelegentlich auch weiter bis Wittstock. In Liebenthal
wird ein holzverarbeitender Großbetrieb durch die Eisenbahngesellschaft Potsdam und DB
Cargo Deutschland
bedient.
Im Rahmen
eines Ausbauprogramms für kleine Bahnstationen[7] wurde die Station Groß Pankow mit
Bundes- und Landesmitteln für 740.000 Euro barrierefrei ausgebaut. Im August 2017 wurden die
beiden 76 Zentimeter hohen Außenbahnsteige fertiggestellt. Der bisherige Zwischenbahnsteig und das
örtliche Stellwerk sind seitdem außer Betrieb.
Der Strecke
des PEX ist eine der längsten in Brandenburg ohne Elektrifizierung.
Dementsprechend gab es lange Zeit Erwägungen für einen dekarbonisierten Betrieb, wie akku- oder
wasserstoffbetriebene Züge oder eine Inselstromlösung. Im März 2024 wurde eine
Finanzierungsvereinbarung des Landes Brandenburg mit der Deutschen Bahn
bekanntgegeben, mit der die Kosten der Planung für eine vollständige Elektrifizierung
des 140 Kilometer langen Abschnitts zwischen Wittenberge und Hennigsdorf
getragen werden. Die Planungen sollen bis 2030, der Bau bis 2037 abgeschlossen
sein.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Wittenberge%E2%80%93Strasburg